Stevens Cyclocrosscup 2019/20

11. Skoda Zentrum Kiel Cup

03.11.2019

Jannick Geisler gewinnt Cross-Spektakel vor Pechvogel Paul Lindenau

Achtung Radsportler! So hieß es am vergangenen Sonntag beim „STEVENS Cyclo Cross und Skoda Zentrum Kiel Cup“ im Vieburger Gehölz. Für sechs Stunden nutzten mehr als 250 Lizenz- und Hobbyfahrer das ideale Terrain des Vieburger Gehölzes für ihre rasante und kräfteraubende Sportart.

So mancher Spaziergänger blieb verdutzt stehen als die bunt verkleideten und dreckverschmierten Crosser an ihnen vorbeizogen. Doch Cross wird immer beliebter. Insbesondere bei den Hobbyfahrern. Die technische Ausstattung, mit Scheibenbremsen ausgestattete Spezialrennräder, hat auch in der Hobbyszene Einzug gehalten. Ein neuer von Rennorganisator Martin Meyhoff abgesteckter Rennparcours sorgte für Zustimmung.
„Es fuhr sich heute viel flüssiger“, so ein noch nach Luft ringender Athlet kurz nach dem Zieleinlauf „Und nächstes Jahr komme ich bestimmt wieder“ drehte um und verschwand.
Das vom Kieler Radsport Verein organisierte Rennspektakel begann mit den Masters der Klassen drei und vier. Hier hießen die Sieger Jörn Wiegner (SV Lok Templin) und Lars Erdmann (RV Germania Hamburg). Insgesamt 14 weitere Sieger und Platzierte sollten bei dem Mammutprogramm folgen. Das zahlreich erschienene Kieler Publikum wollte dann die für den Kieler RV startende Viktoria Arndt beim Frauenrennen anfeuern. Doch ein Infekt ließ keinen Start zu. So kam es ohne Kieler Beteiligung zu einer „One Women Show“ von Vorjahressiegerin Cordula Neudörffer.  
Die Gesamtführende der STEVENS Serie ließ bereits nach der ersten Runde ihre Konkurrenz hinter sich. Nach 40 Minuten Renndauer jubelte sie über ihren vierten Saisonsieg. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Josephine (Noack BSV Buxtehude) und Ronja-Samantha Petersen (SG Athletico Büdelsdorf).
Dann hatten die zahlreichen Hobbyfahrerinnen und Hobbyfahrer das Sagen. Hier tauchten mit Maya Rehberg (SG TSV Kronshagen/ Kieler TB) und Steffen Uliczka (TSV Kronshagen) zwei aus der Leichathletikszene bekannte Namen auf. Ihr Lieblingsmetier war und ist zwar das Hürden- und Geländelaufen. Doch hier war heute Radcross angesagt. Doch die beiden Sportler hatten sich nicht verlaufen. Steffen Uliczka verriet, dass er sich schon seit längerer Zeit auf einem Crossrad gern durchs Gelände bewegt, nur nicht im Wettkampf. Dabei machte er unter 34 Startern auf Platz acht eine sehr gute Figur. Maya Rehberg schaffte sogar als Zweitplatzierte ihrer Klasse den Sprung aufs Podium. Eine neue Sportart für die talentierten Kieler?
Talent bewiesen auch die Kieler RV Jugendlichen, die teilweise ihr erstes Crossrennen überhaupt fuhren. Dank der Unterstützung der Stadt Kiel konnten aus einem Breitensportförderfonds drei neue Crossräder angeschafft werden. Mika Pelny, Arved und Henning Peper holten in ihren Klassen sogar Podiumsplätze. Die Letztgenannten Peper Brüder führen zudem in der Gesamtwertung und tragen das rote Trikot des Führenden. Dies trägt auch  John Rupprecht der seine Rolle als Gesamterster trotz Defekt verteidigen konnte.

Apropos Defekt. Dieses Thema sollte beim abschließenden Hauptrennen der Männerklasse Elite ein wichtiges Thema werden. Doch der Reihe nach. Mit viel Elan gingen die zwanzig Akteure der Elite auf ihre 60 minütige Renndistanz. Beim Cross ist der Start immens wichtig. Vergleichbar mit der Formel 1. Kurz nach der 100 Meter langen Startstrecke führte der Kurs in eine 180 Gradkurve. Danach folgten wesentlich engere Streckenpassagen. Am besten zogen sich die Akteure des Stevens Racing Team aus der Affäre. Bereits nach der ersten Zieldurchfahrt hatte sich ein „Viererzug“ aus Paul und Max Lindenau, Jannik Geisler und Luk Boving gebildet. Vorjahressieger Stefan Danowski kam als Fünfter in Sicht. Und vor allem einer gab Gas. Paul Lindenau, der aktuell Gesamtführende der norddeutschen Rennserie. Er wollte sein Gelbes Trikot verteidigen. Und es sah von Runde zu Runde besser aus. Erst ließ Luk Boving abreißen, dann sein Bruder Max. Nur Jannik Geisler hing wie eine Klette an ihm. Vier Runden vor Schluss war es dann auch um ihn geschehen. Paul Lindenau strebte als Solist seinen hart erkämpften Tagessieg an.
Doch als die Glocke zur letzten Runde ertönte, war plötzlich zur Überraschung aller Anwesenden Jannik Geisler in Front. Paul Lindenau folgte auf einem neuen Rad sechs Sekunden später. Was war geschehen? Ein Reifenschaden hatte ihn im Materialdepot zum Radwechsel gezwungen. Ärgerlich. Würde er es schaffen den Rückstand zu egalisieren? Die Zuschauer waren mehr als gespannt. Es reichte nicht.
Jannik Geisler überquerte mit erhobenen Händen als Sieger die Ziellinie. Es war übrigens nicht sein erster Sieg im Vieburger Gehölz. Bereits 2013,2014 und 2015 stand er ganz oben auf dem Siegertreppchen. Ein erst sichtlich enttäuschter Paul Lindenau stieg ein paar Minuten später sogar mit einem kleinen Lächeln auf das Podest für den Zweitplatzierten. Blieb doch der Sieg und mit Platz drei durch seinen Bruder Max alles im Team. Zusätzlicher Trost: Tags zuvor hatte er das Wertungsrennen in Neu-Duvenstedt gewonnen und auch das gelbe Trikot des Gesamtführenden verteidigt. Und was machten die Kieler? Sebastian Hoffmann und Johannes Skroblin hatten bei ihrem ersten Crossrennen der Saison einen schweren Stand. Sie landeten auf den Rängen zehn und dreizehn. Sebastian Hoffmann, letztes Jahr Gesamtsieger der Hobbyklasse, war dennoch zufrieden. „Ich musste länger als gedacht eine Krankheit auskurieren. Bin dafür sehr zufrieden. In drei Wochen, bei den Meisterschaften der Nordverbände in Malente, werde ich wieder angreifen.“ Mit dabei wird auch der beste SH-Fahrer Adrian Rips vom RSC Kattenberg sein. Sein bravoröser Fahrstil brachte ihn im Kieler Tagesklassement auf Rang sieben.

Die kompletten Ergebnisse gibt es auf radrennen-nord.de.

Von Jens-Dieter Haushahn am 04.11.2019
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